Die Akteure der Initiative. Das ferne Ziel ist eine Beschleunigung des gesellschaftlichen Wandels und des allgemeinen Bewusstseinswandels. Dazu soll die „kommunale Intelligenz“ genutzt werden.

Bewusst Gemeinsam Leben – Ein Manifest für den Wertewandel

22. September 2020
Bewusst Gemeinsam Leben. Unter diesem Titel haben sich Mitte September 2020 zahlreiche österreichische Pionierunternehmen, „die es anders“ machen, zu einer Initiative zusammengeschlossen. Und sie haben ein Manifest für einen gesellschaftlichen Wertewandel unterzeichnet.

Der BioHof Adamah, Fronius, Frutura Gemüsewelten, die Mauracher BIO-Hofbäckerei, die mohr-sederl fruchtwelt, der Nikolaihof Wachau, Sonnentor, das Stiegl-Gut Wildshut, Weiss – kompetent bei Holz, WOERLE Käsemanufaktur, Wolf Nudeln, Zotter Schokolade, das Raiffeisen Umweltcenter Gunskirchen – völlig unterschiedliche Geschäftsfelder, die von einer gemeinsamen Haltung getragen werden: gemäß dem Namen der Initiative gehen alle Betriebe mit ihrem Unternehmensgegenstand und allen erforderlichen Ressourcen „bewusst“ um, sie stellen das „Gemeinsame“ in den Vordergrund und wollen dem „Leben“ dienen.

Das neue Wirtschaften ist schon da

Diese Art des achtsamen, bewussten Wirtschaftens machen sie in ihren jeweiligen Geschäftsbereichen schon sehr lange. Sie sind alle erfolgreich am Markt und haben längst bewiesen, dass sich eine achtsame Art des Wirtschaftens rechnet. Der Zusammenschluss soll genau jetzt in Zeiten, wo große Unsicherheit herrscht, Mut machen und zeigen, dass es die neuen Wirtschaftsmodelle, die viele ersehnen und erhoffen, schon längst gibt.

Die neue Wirtschaft ist da und sie ist kerngesund. Sie ist eine lebendige und praxiserprobte Vision einer besseren ökonomischen Welt.

„Es ist ein Schulterschluss der Unmöglichkeit“, sagt Georg Dygruber, Gründer der Initiative, „wir weben einen neuen Stoff aus den Spinnfäden dieser Pioniere. Dadurch verbreiten wir diese und helfen auch anderen. Es geht darum, jetzt das Richtige zu tun.“

Aufbauend auf der Kraft der Pionierunternehmen soll ein dynamischer Prozess in Gang gesetzt werden, der eine  Rückbesinnung zur Natur, bedarfsgerechte Lebensmittelversorgung, Energiesicherheit, Finanzierungssicherheit und Infrastruktursicherheit bringen soll. Das Manifest, in dem all das festgehalten ist, und die Vorbildwirkung der teilhabenden Unternehmen sind als Einladung zu verstehen mitzumachen.

Für Dygruber läutet das Manifest einen neuen Zeitgeist von Leichtigkeit, Freude und Vertrauen ein – im Gegensatz zu Angst, Neid und Misstrauen. Prominente Unterstützer wie Fernsehjournalistin Barbara Stöckl, Sepp Forcher oder Olympiasportler Felix Gottwald leben und tragen das Manifest mit.

Tour durch Österreich

Dygruber wird ab sofort eine große Tour durch Österreich machen, von Gemeinde zu Gemeinde, um die lokalen Schätze zu heben.

„Es gibt sicher überall versteckte Pioniere mit großartigen Ideen“ und die will Dygruber kennenlernen und auf die Bühne bitten. Das neue Wirtschaften soll sichtbar werden.

Die sogenannte „Jetzt-ist-es-Zeit-Tour“ ist mit den Kommunen abgestimmt. Der erste Besuch wird einer kleinen Region im Salzburger Tennengau gelten. Die Kriterien, um von der Initiative auf die öffentliche Bühne geholt zu werden, sind simpel:

„Es müssen Spinner sein“, lacht Karl Forcher, Mitbegründer der Inititiative, „es braucht Visionen, eine ökosoziale Gesinnung und natürlich eine ökologische Ausrichtung.“

Eigentlich wollen sich Dygruber und Forcher bei ihrer Tour überraschen lassen und dem großartigen Neuen im Land nicht vorschreiben, auf welche Art es großartig zu sein hat.

Das fernere Ziel der Initiative ist eine Beschleunigung des gesellschaftlichen Wandels und des allgemeinen Bewusstseinswandels. Dazu soll die „kommunale Intelligenz“ genutzt werden, ein Begriff, den der Neurobiologe Gerald Hüther geprägt hat. Gemeinsam mit den Verantwortlichen und den Bewohnern
sollen in Österreich vorbildliche Gemeinden entstehen, wo diese kommunale Intelligenz bereits genutzt wird.

Ebenau, die erste dieser „Lebenswerten Gemeinden“ soll schon im Oktober präsentiert werden. Dygruber versteht sie als „Prototypen der neuen Gemeinschaft mit Wertschöpfung und Wertschätzung.“

Die Wirtschaft macht den Wertewandel

Prof. Gerald Hüther war übrigens im Jahr 2017 einer der Geburtshelfer der Initiative „Bewusst Gemeinsam Leben“ . Der gesellschaftliche Wertewandel könne seiner Einschätzung zufolge nur über die Wirtschaft passieren, sie müsse sich ständig neu erfinden und weiterentwickeln, um am Markt bestehen zu können. Solche Unternehmen, die das Neue zeitgerecht gewagt haben, galt es zu finden.

Viel Energie für ein bewusstes, gemeinsames Leben

Die Gründungsmitglieder von Bewusst Gemeinsam Leben bringen ihre je eigene individuelle Energie in das gemeinsame Projekt. „Es geht um Lebensmittel, Lebensraum, Lebenskultur, Lebensenergie, Lebensmobilität“, sagt etwa Manfred Hohensinner von den Frutura Gemüsewelten, „wir produzieren in diesem Land zu viel von dem, was wir nicht brauchen. Da vergeuden wir Ressourcen. Das darf anders werden.“

Energievisionär Klaus Fronius will grünen CO2-neutralen Wasserstoff produzieren und hat am Tag vor der Pressekonferenz eine entsprechende Vorlage zum „Erneuerbaren Ausbau Gesetz 2020“ bei Klimaschutzministerin Leonore Gewessler vorgestellt.

Es sollen eine Million Dächer mit PV-Paneelen bestückt und damit österreichische Wertschöpfung in Milliardenhöhe lukriert werden. Die Energiezukunft sieht Fronius in der Speicherung von Wasserstoff, allerdings: „Wasserstoff ist nicht Wasserstoff“, sagt er, „andere wollen das auch machen, aber auf fossiler Basis. Ich nenne das schwarzen Wasserstoff. Das geht anders.“

Dem schließt sich Hubert Pupeter vom Raiffeisen Umweltcenter Gunskirchen an: „Nur grünes Geld ist kein schwarzes Geld“, sagt er und erzählt, dass das Umweltcenter mit angelegtem Geld ausschließlich in ökologisch sinnvolle Projekte investieren und derzeit mehr Geld hereinkommt, als er anlegen kann.

Pressefrühstück Bewusst gemeinsam leben
Die Initiative wurde bei einem Pressefrühstück der Öffentlichkeit vorgestellt.

Olympiasportler Felix Gottwald, Mentor der Initiative, betont die notwendige Rückbesinnung zur Natur. Er weiß als Spitzensportler, wie das Unmögliche gelingen kann. „Das Ziel ist nie der Gipfel“, sagt er, „sondern der Weg. Wenn man am Gipfel ist, will man ja nicht dort bleiben.“

Es ginge einfach darum, Vorbild zu sein. Das Richtige zu tun wäre nicht so schwierig, denn „das Unterbewusstsein sagt uns sofort, was ein Fake und was echt ist.“

In diesem Sinne ist auch die Unterzeichnung des Manifestes am 17. September 2020 bloß ein weiterer Gipfel eines nachhaltig sinnvollen Weges, zu dem sich die unterzeichnenden Pionierunternehmen vor langer Zeit aufgemacht haben. Sie sind als Vorbilder auf der Bühne und zeigen gerne vor, wie „bewusst gemeinsam leben“ geht.

Im Übrigen ist wirklich jede und jeder einzelne zur Teilnahme eingeladen. Bewusst Gemeinsam Leben ist ein Gemeinschaftsprojekt, das jeder mit einem frei wählbaren Bewusstseinsbeitrag unterstützen kann. Es zählt aber nicht nur Geld. Wichtig ist das Erkennen der gegenseitigen Potentiale, die Freude an der Mitgestaltung des Wandels und gute Ideen dafür.

Infos

Bewusst Gemeinsam Leben
Georg Dygruber
info@bewusst-gemeinsam-leben.at
moeglichmacher@bewusst-gemeinsam-leben.at
0664/45 22 227
bewusst-gemeinsam-leben.at