Martina Gaind und Karin Ebner
Martina Gaind und Karin Ebner: „Abschauen ist bei uns sehr erwünscht.“
© Kleinregion Donau-Ybbsfeld

Gemeindeübergreifend

Sozialkooperation im Ybbsfeld

Die Kleinregion Donau-Ybbsfeld ist Vorbild im Sozialbereich. Die zuständigen Sozialkoordinatoren der Mitgliedsgemeinden stemmen sich gemeinsam gegen die menschliche Kälte.

Angefangen hat alles im Jahr 2002. Damals wurde die Kleinregion Donau Ybbsfeld von den Gemeinden Ardagger, Neustadtl an der Donau, Viehdorf, St. Georgen / Ybbsfelde, Blindenmarkt und Ferschnitz gegründet. St. Georgens damaliger Bürgermeister Hans Redl – bekannt für seine soziale Ader – hatte aber mehr vor als nur wirtschaftliche Zusammenarbeit. Und so entstand der Gedanke, nicht nur die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in der Kleinregion zu vernetzen. Was wäre, wenn sich auch die Sozialsprecher der Gemeinden regelmäßig treffen würden?

2015 fand das erste Treffen statt, und seither geht es Schlag auf Schlag. Seit 2016 wurde der Audit-Prozess zur Familienfreundlichen Region mit Unterstützung von NÖ Regional gestartet.

„Zuerst gab es eine Bestandserhebung der sozialen Angebote aller Gemeinden. Und da haben wir gemerkt, dass es in der Region sehr viele Sozialinitiativen gibt. In jedem Ort alleine scheint das immer zu wenig. In der Region ist es ein unglaublich breites Angebot“, erinnert sich Sozialsprecherin Karin Ebner aus St. Georgen am Ybbsfelde. 

Hauptprobleme geortet

Durch den Prozess wurden drei Hauptprobleme geortet. Ebner: „Erstens die mangelnde Kommunikation der bestehenden Angebote an die Bürger. Zweitens, dass die Angebote in der Region da sind, man sie nur für Menschen aus den Nachbarorten öffnen muss. Und drittens, dass wir nicht warten müssen, bis die Politik uns rüstet, wir können uns selbst helfen.“

Und die Sozialsprecher haben agiert, bevor andere reagiert haben. Sie haben mit dem ersten „Zwergennest“, einer Kleinkinderbetreuung, nicht gewartet, sondern sie einfach umgesetzt. Ein Tageszentrum für Senioren entstand und wurde zum Pilotprojekt mit Strahlkraft weit über die Region hinaus. 

Infos werden geteilt

Auch das Kommunikationsproblem haben die Sozialsprecher selbst gelöst. Martina Gaind, Sozialgemeinderätin aus Blindenmarkt: „Kernstück unserer Zusammenarbeit ist ein Blog, in dem alle sozialen Angebote der Region vorgestellt werden. Auch Veranstaltungen sind darin zu finden. Die Seite haben wir uns mit Hilfe einer befreundeten Firma selbst gebastelt, und das Angebot hat eingeschlagen wie eine Bombe.“

Jeder Sozialkoordinator der Region hat Zugang zum Redaktionssystem und pflegt seine Angebote und Infos selbst ein. Zusammen ergibt sich so ein Überblick über das reichhaltige Angebot aus der Region. Auch das Öffnen von Veranstaltungen für Bürger aus anderen Gemeinden hat einen zusätzlichen Vorteil gebracht. Gaind: "Im Gesundheitsbereich veranstalten wir Vortragsreihen. Gemeinsam können wir dafür auch TOP-Koryphäen gewinnen, die vor 15 Leuten nicht sprechen würden. Vor 200 bis 300 Leuten kommen die dann schon, um vorzutragen.“

Soziale Laus im Ohr der Bürgermeister

Durch die Abstimmung werden auch Doppelgleisigkeiten vermieden. Wenn Bedarf besteht, machen sich die Gemeinden untereinander aus, wer das Angebot bereitstellt. Und auch Best-Practice-Beispiele aus einzelnen Gemeinden pflanzen sich so rasch zu den Nachbarn fort. „Abschauen ist bei uns sehr erwünscht“, schmunzelt Ebner. Und auf einen weiteren Effekt der gemeinsamen Absprachen ist sie stolz: „Wir sind inzwischen sowas wie die soziale Laus im Ohr der Bürgermeister geworden. Wenn wir ein Projekt umsetzen wollen, dann stehen wir so lange dahinter, bis es etwas wird.“

Wirtschaft wird eingebunden

Die nächsten Projekte sind dabei schon klar: Ein Schwerpunkt zur psychischen Gesundheit und ein Ernährungsschwerpunkt im Herbst. Dafür soll ein Kochbuch mit lokalen Produkten erscheinen. Ebner: „Wir wollen auch die lokale Wirtschaft einbinden. Denn wenn wir gesunde Rezepte mit Zutaten von lokalen Produzenten vorstellen, dann wird auch hier ein Mehrwert geschaffen.“

Eine große Vision bleibt aber noch unerfüllt. Die Etablierung eines Regionalen Gesundheitskoordinators, der sich Vollzeit um die Region kümmert. Denn derzeit ist diese Funktion ein Ehrenamt.