Preisgekrönte Sanierung: Haus Penzing, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser; Ausgezeichnet mit dem ETHOUSE Award 2020 für Energieeffizienz & Ästhetik.
Die Energiekennzahl konnte um 86 % verbessert werden, von 160 kWh/m2a vor Sanierung auf 22,93 kWh/m2a.
© Kurt Hoerbst

Bauen & sanieren

Thermische Gebäudesanierung – ein Denksport?

Nutzerkomfort oder Energieeffizienz? Die thermische Gebäudesanierung verbindet beides – vor allem wenn sie gut geplant und umgesetzt ist. Die Praxis zeichnet aber ein ganz anderes Bild. Das ist eine vertane Chance für Gemeinden.

Minus 85 % beim Energieverbrauch, minus 90 % bei den CO2-Emissionen, minus 80–85 % Prozent bei den Betriebskosten – klingt das für Sie realistisch?

Es ist das Ergebnis Österreichs erster Passivhaus-Schulsanierung. Im Altbestand hatte die Gemeinde Schwanenstadt rund 110 bis 120.000 Euro pro Jahr für den Wärmebedarf ausgegeben.

Die bestehende Schule aus den 70er Jahren wurde ganzheitlich saniert, erweitert und mit einem Zubau für die Polytechnische Schule ergänzt. Bei doppelter Nutzfläche sanken nach der energieeffizienten Erneuerung der Schulanlage ab 2007 die Energiekosten auf jährlich zirka 35.000 Euro. Vor 15 Jahren hat dieses Projekt bereits gezeigt, was mit einer ganzheitlichen thermischen Gebäudesanierung möglich ist: Neben der erheblichen Kostenreduktion, ein erstklassiges Arbeits- und Lernklima sowie Umweltschutz. Win-Win-Win. Aber:

Haben wir ein Denkproblem?

Ganzheitliche thermische Sanierungen sind leider die Ausnahme, weiß Architekt Heinz Plöderl. Die meisten Sanierungen öffentlicher Gebäude werden nur „halbherzig" durchgeführt und beheben meist bloß Nutzungs- und Komfortdefizite, „Wo es doch in Zeiten des Klimawandels um wesentlich umfassendere Konzepte und bereits seit Jahren Zero Carbon Emission Gebäude umgesetzt werden sollten.“ 
Wir könnten es längst besser machen, wie es das Sanierungsbeispiel Schwanenstadt zeigt, bei dem Plöderl Projektarchitekt war.

„Wir müssen über Energieeffizienz reden, um den Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen zu reduzieren und damit dann auch ganzheitlich die Lebenszykluskosten.“ Doch oft liege der Fokus nur auf dem Investment der Sanierungskosten. Es wird keine Lebenszykluskostenberechnung durchgeführt, bemerkt der Architekt.

Außen vor: der Lebenszyklus

Der Lebenszyklus eines Gebäudes liegt bei ungefähr achtzig Jahre. Von den Lebenszykluskosten nehmen die Investitionskosten etwa 20 % ein, zirka 15–20 % betragen die Kosten für die Instandhaltung und Wartungen. Im Lebenszyklus eines Gebäudes kommen auf die Energiekosten zirka 60-65 %. Daher ist es sinnvoll in die beste thermische Sanierung zu investieren. Diese rechnet sich also über die vielen Jahre, vor allem auch unter dem Aspekt rasch steigender Energiekosten um ein vielfaches. Der beste Standard des Gebäudes sichert den NutzerInnen bestmöglichen Komfort und führt bei nachhaltiger Reduktion der Emissionen zur notwendigen Energieeffizienz. 

Eine ganzheitliche Sanierung ist im Lebenszyklus eines Gebäudes betrachtet, nicht nur eine baukulturelle und funktionale, sondern auch eine soziale Wert-Erhaltung für Generationen. Machen Sie in Ihrer Gemeinde diese Gedanken zur Realität.

Ganzheitlich gedacht

Für Ganzheitlichkeit aktiv, ist die ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme (QG) mit ihren Mitgliedern BAUMIT, Capatect, RÖFIX und sto. Die freiwillige Arbeitsgemeinschaft setzt sich für einen hohen Standard am Bau ein – von der Planung bis zur Pflege und Instandhaltung von Vollwärmeschutz. www.waermedaemmsysteme.at

Da die beste Energie jene ist, die gar nicht erzeugt werden muss, honoriert die QG Österreichs energieeffizienteste Sanierungsprojekte. Seit 2008 lobt sie den ETHOUSE Award aus, darunter finden sich regelmäßig ausgezeichnete Sanierungen öffentlicher Gebäude. Inspirationen für Ihre Gemeinde finden Sie unter www.ethouse.waermedaemmsysteme.at

Interessante Links

Bundesförderung für thermische Gebäudesanierung: umweltfoerderung.at

Förderungen zum Flächenrecycling: www.umweltfoerderung.at/flaechenrecycling.html

Zuschüsse aus dem kommunalen Investitionsprogramm: buchhaltungsagentur.gv.at

Ökosozialer Kompass für Gemeinden: oekosozial.at

Programm für energieeffiziente Gemeinden (e5): e5-gemeinden.at

Kostenloses Serviceheft Pflege & Wartung der Gebäudefassade: var.waermedaemmsysteme.at